Dienstag, 20. Oktober 2009 13:26
Als sie die Brücke weiter entlang schritt, hüllte sie plötzlich ein leuchtender, wabernder Nebel ein. Aus diesem drang sanftes Gewisper und eine zarte, ganz leise Melodie, die sie irgendwie an Harfenklänge erinnerte. Da der Nebel so plötzlich auftauchte, blieb Aisha zumächst erschrocken stehen. Er war so dicht, dass sie kaum die Hand vor Augen sehen konnte, geschweige denn, dass sie sah wohin sie ihre Schritte lenkte oder ob ein Hindernis im Weg lag.
“Nur Mut!”, sprach sie sich selbst zu. “Der Engel hat doch zu dir gesprochen und du sollst ihm doch vertrauen. Also los!” Wie auf Kommando lichtete sich der Nebel und Aisha stand plötzlich auf einer wunderschönen Blumenwiese. Auf dieser summte, schwirrte und zirpte das Leben. Der größte Baum, den sie jemals gesehen hatte, stand mitten im… aber halt, irgendetwas lief hier ja wohl schief! Das Gras war nicht grün, der Himmel nicht blau und selbst die Sonne wirkte falsch in ihrem rosa Licht. Als sich Aisha nun alles genauer ansah, stellte sie auch noch fest, dass alles irgendwie klarer umrissen, konstruierter oder schlicht und ergreifend hart wirkte. In ihrer Welt gab es nicht nur Schattierungen in allen Farben, sondern die Dinge wirkten nicht immer alle scharf. Doch hier gab es keine Schattierungen oder Unschärfe. Nichts wirkte sanft. Eher entstand das Bild im Kopf, dass hier alles gezeichnet war. Und doch lebte hier alles. Käfer krabbelten in ihren grell gelb-schillernden Panzern über die Grashalme, die in ihrer blauen Farbe fremd wirkten. Vögel, wie sie die Natur nicht schöpferischer gestalten könnte, flogen am gelben Himmel.
Das Gefühl der Unwirklichkeit, welches Aisha erfaßte, wurde durch den intensiven Geruch nach Spaghettisoße noch zusätzlich verstärkt. War sie hier denn wirklich richtig? Und wo war ihr Engel?