Beiträge vom 10. August 2010

Das Haus zur besonderen Verwendung

Dienstag, 10. August 2010 17:16

Auch diesmal (28. Mai 2010) darf ich wieder einen Gewinn vermelden. “Das Haus zur besonderen Verwendung” von John Boyne ist es geworden. ;) Ich bin schon sehr gespannt darauf…

Romanov Klappentext: Russland 1915: In einem kleinen Dorf verhindert der  sechzehnjährige    Bauernsohn Georgi ein Attentat auf den Mitglied der  Zarenfamilie. Zar Nikolaus II. ruft Georgi daraufhin nach St. Petersburg, wo er  ihn zum Leibwächter seines einzigen Sohnes ernenntder nicht nur als  Thronfolger in ständiger Lebensgefahr schwebt. Georgi weicht dem kleinen  Zaren fortan nicht mehr von der Seite – und findet in ihm einen Freund. In den  prunkvollen Sälen des Winterpalais begegnet er auch der Zarentochter  Anastasia. Sie verlieben sich, wohl wissend, dass diese Liebe nicht sien darf.  Doch Georgi und Anastasia gelingt es, unentdeckt zu bleiben. Bis die  Revolution ausbricht und Anastasia und ihre Familie an einen geheimen Ort  verschleppt werden – ins “Haus zur besonderen Verwendung”.

Rezension: Das Buch ist nicht das, was ich erwartet habe. Nach der Leseprobe  war ich der Meinung einen Roman über die Zarenfamilie darin zu finden. Das  entspricht aber nur zum Teil der Wahrheit.

Schon das erste Kapitel mit dem “Titel” 1981 verwirrte mich. Darum ging  es  zwar durchaus um Georgi, aber als alter Mann und nicht als Junge. Und an  seiner Seite die Frau Soja, die schwer Krebs krank ist, die er dennoch so sehr  liebt, wie er einst Anastasia geliebt hatte. Die Szenen wechseln immer  abwechselnd (beginnend mit der Gegenwart, startet das nächste Kapitel mit der  Begegnung Georgis mit dem Großfürsten Nikolai in seiner Jugendzeit, um dann  rückläufig die Gegenwart zu berühren und so im steten Wechsel sich zum Höhepunkt zu steigern) und bilden am Ende das gewaltige Schlußbild. So werden nicht nur das Leben Georgi und Sojas erzählt (im rückläufigen Stil), sondern auch wie der Junge aus Kaschin die Zarenfamilie kennen- und lieben lernte (vorwärtslaufend wie in einer Geschichte eben üblich) und wie deren Leben verlaufen ist, bis zum traurigen Punkt der Erschießung der Romanov-Familie.
Ich weiß, dass man in einer Rezension nicht deutlich über dessen Inhalt schreiben, sondern einfach nur neugierig machen sollte. Dennoch ärgert mich, dass der Autor John Boyne sich nicht an die Wahrheit hält, denn (VORSICHT SPOILER!!!!) Anastasia wurde einwandfrei mittels DNA-Analyse identifiziert und konnte daher nicht überlebt haben. Da Attentate auf höher gestellte Personen sicherlich ein Thema war (und vielleicht auch immer noch ist), könnte eine Begegnung zwischen Georgi und Nikolai Nikolajewitsch durchaus stattgefunden haben und es wäre durchaus möglich, dass Georgi als eine Art Anerkennung als Leibwächter des Zarewitsch angeheuert worden ist. Fiktion ist durchaus etwas Gutes, aber bitte nicht weiterhin den – durchaus, ich gebe es gerne zu, wunderschönen – Mythos der überlebenden Zarentochter zelebrieren. Noch dazu, wo eindeutig bewiesen ist, dass Anastasia der Ermordung der gesamten Romanov-Familie nicht entkommen ist…

Dennoch ermöglicht das Buch einen wundervollen Einblick in das Leben der letzten Zarenfamilie und viele Dinge, die mir völlig unbekannt waren, wurden mir durch dieses Geschichte eröffnet (die ich auch ohne Mühe recherchieren konnte. Ja, ich weiß, ich bin schrecklich, wenn es um die Wahrheitsfindung geht. Doch bei Romanen, die von tatsächlich gelebten Menschen handeln, bin ich der Meinung, dass man sich so nahe wie möglich an der Wahrheit halten sollte!! Auch wenn damit ein”Happy End” nicht gegeben ist. Doch auf so etwas wollte der Autor offenbar so und so nicht hinaus…)
Bis auf die Verwirrung der Zeiten (mal Gegenwart, dann Vergangenheit) ist das Buch gut zu lesen und trotz meiner anfänglichen Verärgerung (immerhin hatte ich “nur” mit einem Roman aus der Zarenzeit gerechnet) konnte ich es bald nicht mehr aus den Fingern legen.

Thema: vorablesen | Kommentare (1) | Autor: Lightdancer