Menschliche Dominanz

Wozu ist die menschliche Dominanz gut? Wir sind keine Wölfe, die sich eine Rangordnung erkämpfen müssen, um zu überleben. Wir brauchen nicht die gesündesten, stärksten und besten Weibchen suchen, um uns zu paaren. Wir müssen nicht wie manche parasitär lebende Pflanze nach dem Licht ringen und deshalb andere unterdrücken.

Warum also tun wir es? Was gibt uns Macht? Was erreichen wir durch Dominanz über und Unterdrückung anderer? Wollen wir uns damit nur brüsten, uns hervortun, unser prächtiges „Gefieder“ zeigen, welches schlussendlich nur aus Lug und Trug besteht? Wofür müssen wir reich sein, schön, besser als andere, intelligenter? Wieso müssen wir in die Genetik eingreifen, nur damit das eigene Baby so schöne blaue Augen hat, wie man es sich selbst immer gewünscht hat? Warum müssen Tomaten größer und röter sein und dabei völlig an Geschmack verlieren? Warum müssen wir andere Menschen-Rassen, andere Religionen verdammen und niedermachen? Warum empfinden wir sie schlechter als uns selbst?

Liegt es daran, dass Leute, die selbst das Negative erlebt haben, sich nun selbst und anderen beweisen wollen, wie gut sie sind und wie sie alles zum Positiven hin verändern? Möglich wäre es. Doch dann stellt sich die Frage: Wenn man mit guten Gedanken, besseren Ideen etwas verändern möchte, was passiert dann damit und warum machen sie eine Kehrtwende?
Warum gehen Menschen in die Politik?
Der Volksmund sagt, dass das diejenigen sind, die nichts gelernt haben und trotzdem eine große Klappe führen wollen. Aber stimmt das? Stecken nicht andere Wahrheiten dahinter und wenn ja, wo sind die dann hingeflogen? Ich habe das Gefühl, dass wir alle schon so von Selbstzweifeln geplagt sind, dass wir nicht mehr geradeaus sehen können. Jede/r verfolgt das eigene Ziel, mit dem Resultat, dass leisere untergehen, dass Leute, die nicht den Mut haben den Mund für einen Protest zu öffnen, einfach überrannt und das diejenigen, die den Mut besitzen und sich versuchen dagegen zu wehren, mundtot gemacht werden.

Wir müssen uns wieder auf uns selbst besinnen. Herausfinden, wer wir sind, was wir machen und warum wir so oder so handeln. Wir müssten wieder bei Adam und Eva anfangen, aber dabei die Bibelgeschichte, wie sie uns so gerne verkauft wird, vergessen. Wir sollten aus unseren Fehlern lernen und die Schöpfung neu schreiben. Wir sollten von anderen Lebewesen lernen… zum Beispiel von der Symbiose eines Einsiedlerkrebses mit einer Muschel und dabei Harmonie entdecken. Wir sollten von den Ratten lernen, die die Vermehrung innerhalb einer Kolonie kontrollieren, wenn sie zu viele werden. Wir sollten von der „Rose von Jericho“ lernen, die wie tot aussieht, wenn sie trocken ist und wieder zum Leben erwacht, sobald sie mit Wasser in Berührung kommt.

Drei Sätze aus zwei unterschiedlichen Büchern und von zwei unterschiedlichen Autorinnen haben mich nachdenklich gestimmt.
Der eine stammt von Karen Marie Moning und stammt aus dem Buch „Bloodfever“ (oh ja, das ist Fantasy, möglicherweise auch Dark-Fantasie, aber der Satz hat mich in ganz andere Richtungen denken lassen).

Unsere Taten definieren uns. Unsere Entscheidungen. Die Dinge, denen wir widerstehen. Die Dinge, für die wir sterben würden.

Für Fantasy ein durchaus wahrhaftiger Satz. Nicht wahr? Unsere Taten definieren uns. Sie zeigen, auf welcher Seite wir stehen. Ob wir dem Guten dienen oder dem Bösen verfallen sind. Klingt melodramatisch, aber so denkt die Menschheit – in Schubladen. Schwarz und weiß, gut und böse. Anstatt die Farben dieser Welt zu sehen, ist alles entweder schwarz oder weiß. Anstelle eines Mittelweges zwischen gut und böse zu gehen, wählen wir „eine Seite“. Und oft höre ich die Aussage: Mir wurde die Entscheidung abgenommen – oder – Welche Wahl hätte ich gehabt?
Wir alle haben jede Menge Wege vor uns. Wir können ständig entscheiden, ob wir den normalen Schotterweg mit all seinen Schlaglöchern, ob wir lieber den etwas holprigen Betonweg oder die glatt asphaltierte und damit die leichteste Straße nehmen. Und… was noch viel wichtiger ist: man kann sich ständig anders entscheiden. Geht man an einem Tag lieber einen steilen Berg hinauf, um sich zu ertüchtigen, sich freiwillig zu plagen oder einfach daraus etwas zu lernen, so ist es möglich, dass man am nächsten Tag, ja selbst in der übernächsten Stunde schon, sagt: nein, das war keine gute Entscheidung, ich gehe nun lieber durch den Bach um meine Füsse zu kühlen.

Wählt man so unorthodox seinen Lebensweg, wird man gerne als verrückt, als unsicher, als exzentrisch abgestempelt. Dabei sind doch gerade diese Menschen, diejenigen, die wahrlich lernen. Sie akzeptieren keine Entscheidungen, die irgendjemand für sie gefällt hat. Sie wollen selbst lernen, sich selbst bewusst werden, was sie eigentlich im Leben wollen. Sie verhalten sich wie Kinder. Und was ist so schlecht daran? Irgendwann verbannen wir das Kind in uns, fühlen uns reifer, erwachsener und töten dabei aber einen wichtigen Teil von uns selbst – Freiheit, Unbeschwertheit und Spaß am Leben.

Mit den Worten verlieren wie die ursprüngliche Wahrnehmung. Sie geben mehr Sicherheit, das ist schon richtig. Nur das, was einen Namen hat, wird für uns wirklich.
Wirklich und eingeschränkt.

Dieser Satz stammt aus der Feder von Marianne Fredriksson und wurde von mir in ihrem Buch „Eva“ gefunden. Und auch er beinhaltet soviel Wahrheit, die wir aber manchmal gar nicht sehen wollen. Wir sind der Meinung, dass wir Worte brauchen. Sie geben uns Halt, wenn wir etwas benennen können und es stürzt uns in Verwirrung, wenn wir ein Gebiet betreten, dass namenlos ist, was wissenschaftlich nicht (oder noch nicht?) erklärt werden kann. Wir schließen die Augen vor Dingen, die nicht „da“ sind, weil sie in unserem Wortschatz nicht vorkommen oder nur unzureichend erklärt werden können. Und damit legen wir allen Dingen eine Beschränkung auf. Wir engen sie ein, wir pressen alles in eine Form. Und was nicht passt, wird passend gemacht… wir drücken, quetschen, schneiden und reißen solange daran, bis es uns in den Kram passt.

Die Wahrheit ist nicht erlernbar, man kann sie nur wieder erkennen.

Auch dieser Satz stammt von Fredriksson und aus dem bereits genannten Buch. So manchen wird nun ein diffuses Gefühl beschleichen. Die Frage wird auftauchen, warum ist die Wahrheit nicht erlernbar? Doch dann sollte man sich gleich die nächste Frage stellen: Was ist eigentlich Wahrheit? Nur, weil ich in allen Dingen etwas „Göttliches“ begreife, steht es völlig außer Frage, dass mir viele, sehr viele Menschen widersprechen würden. Wahrheit ist in meinen Augen das, womit wir leben können, was wir für uns selbst erfahren und gelernt haben. Durchaus sind einige Dinge wissenschaftlich erwiesen oder mathematisch so genau, dass nichts daran zu rütteln ist. Doch liegt das nicht gerade an unserem Stand der Wissenschaft? Wer weiß heute schon, wie die Ägypter wirklich ihre Pyramiden bauten, wie sie so exakt die Weltwunder ausrichten konnten, dass sie mit Sonne-, Mond- und Sternenstand eine bestimmte Botschaft übermitteln konnten? War es wirklich dieselbe Mathematik, die wir heute kennen? Oder gehen wir eher einer anderen Spur nach, die wissenschaftlich nicht belegt werden kann, weil sie dem Reich der Fantasie zu entspringen scheint und vermuten dahinter Außerirdische?
Wenn eine Aussage oder ein Bildnis mit dem übereinstimmt, was wir in unserem Leben erfahren, gelernt und gehört haben, dann ist das für uns Wahrheit – wir erkennen sie. Doch diese Wahrheit wird nicht immer auf der ganzen restlichen Welt anerkannt. Es gibt Diskussionen, Streitereien, Krieg, um die eigene Meinung, die eigene Wahrheit zu übermitteln, anstatt die Menschen sich selbst entscheiden zu lassen, was für sie die Wahrheit ist.
Was würde es bewirken, wenn wir all die Menschen auf unseren Planeten selbst entscheiden ließen, welche Wahrheit sie in etwas erkennen? Womöglich das, was wir uns alle erhoffen: Harmonie. Doch dann setzt sich wieder die Dominanz durch… und man (also ich) fragt sich, wo die wieder her ist. Warum man jemanden etwas aufzwingen muss, was derjenige gar nicht will. Warum wir über etwas oder jemand Herrschaft erlangen wollen, von dem wir nichts haben, denn im Tod sind wir alle allein und besitzen nichts.

Nachdenken, wahrhaftig sehen, die eigenen Entscheidungen fällen und danach leben – das sollten wir alle und uns nicht unterjochen lassen von ein paar Leuten, die der Meinung sind, sie wissen alles besser und handeln für das Wohl aller. Steht für euch selbst ein, erfindet keine Geschichten, weil aus euch Erinnerungen brechen, die euch verwirren und ihr dafür für euch und für andere Erklärungen sucht. Das müsst ihr nicht. Seid ihr selbst – ganz und wahrhaftig! Fühlt die Verbindungen untereinander, erzeugt Harmonie und Frieden, anstatt zu dominieren, zu unterdrücken, zu unterwerfen. Tragt eure Herzen auf den Zungen und Händen und vergrabt sie nicht im Morast der Lügen und der Macht.

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Autor: Lightdancer
Datum: Freitag, 22. Juli 2011 11:02
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2 Kommentare

  1. 1

    Jeder sollte seinem Mitmenschen nur das tun, was er sich selbst tun würde. Das mit einander, evtl. hin und wider mal zurück stecken oder einfache Sachen wie bitte und danke, sollten in unserem Alltag zunehmend mehr Gewichtung bekommen. Die Menschen in unserem Umfeld sollten sich mit weniger zufrieden geben auch wenn dies nicht ganz ihren Ansprüchen entsprechen würde. Sollten sich mehr Leute dafür entscheiden leben und leben zu lassen, so wäre es für alle leichter.

    PS.: finde den Blog echt gut

  2. 2

    Dominanz?
    Woher kommt sie? Ich denke das Dominanz viel mit Macht zu tun hat. Der Mensch will herrschen. Will leiten. Und in diesem Macht-Wahn passieren oft dinge wo man sich an den Kopf fassen tut.
    Was macht der Politiker er entscheidet über “sein” Volk. Aber hört er es an?
    Nein er macht nur das was er in dem Moment für richtig hält wie er evtl. seinen Kopf aus der Schlinge zieht oder seine Macht demonstriert.
    Deswegen denk ich je mehr Macht ein Mensch hat um so gefährlicher wird er für die Allgemeinheit.

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